Neues Buch

Den Himmel zum Sprechen bringen

Peter Sloterdijk - Den Himmel zum Sprechen bringen: Über Theopoesie

Über Theopoesie

352 Seiten, Suhrkamp Verlag

Umwege sind die direktesten Wege zum Zentrum. Das neue Werk von Peter Sloterdijk ist ein Beleg für diese These: Außerhalb der Aktualität angesiedelt, handelt Theopoesie, auf den ersten Blick betrachtet, von den in der Bibliothek der Menschheit gespeicherten Versuchen, Gott oder die Götter zum Sprechen zu bringen: entweder reden sie unmittelbar selbst oder sie werden von den Dichtern mittelbar in ihrem Tun und Denken wiedergegeben. Damit ist für Sloterdijk die Einsicht unausweichlich: Religionen berufen sich in ihren theopoetischen Gründungsdokumenten auf mehr oder weniger elaborierte literarische Verfahren, auch wenn die begleitende Dogmatik dazu dient, diese Tatsache vergessen zu machen. Religionen sind »literarische Produkte, mit deren Hilfe die Autoren um Klienten auf dem engen Markt der Aufmerksamkeit von Gebildeten konkurrieren«.

Ein Studium der poetischen Stilmittel, deren sich die Religionen in ihren Narrativen bedienen, erfordert eine Neubewertung der Religionen, die die Karl Marx’schen Thesen hinter sich lässt. Elemente einer Kritik literarischer Darstellungsformen als Kritik dogmatischer wie theologischer Dokumente im Durchgang durch die Geschichte trägt Sloterdijk also mit seiner stupenden Belesenheit zusammen – und gelangt so in den Glutkern der Gegenwart, in der Narrative oder Fakten und alternative Fakten einander bekämpfen.

Inhaltsverzeichnis

Vorbemerkung

I Deus ex machina, Deus ex cathedra
1 Götter auf dem Theater
2 Platons Einspruch
3 Von der wahren Religion
4 Gott darstellen, Gott sein: Eine ägyptische Lösung
5 Vom besten aller möglichen Himmelsbewohner
6 Poesien der Kraft
7 In Plausibilitäten wohnen
8 Die theopoetische Differenz
9 Offenbarung woher?
10 Göttersterben
11 »Religion ist Unglaube«: Karl Barths Intervention
12 Im Garten der Unfehlbarkeit: Denzingers Welt

II Unter hohen Himmeln
13 Erdichtetes Zusammengehören
14 Götterdämmerung und Soziophanie
15 Herrlichkeit: Poesien des Lobs
16 Poesie der Geduld
17 Poesien der Übertreibung:
Die religiösen Virtuosen und ihre Exzesse
18 Kerygma, Propaganda, Angebotsoffensiven oder: Wenn die Fiktion nicht mit sich spaßen läßt
19 Von Prosa und Poesie der Suche
20 Religionsfreiheit

Statt eines Nachworts
Grußworte