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«Man sollte nie etwas für unmöglich halten»

blick.ch – 19/03/2017 „Peter Sloterdijk erklärt, warum auf der Welt derzeit verrückte Dinge geschehen – und worauf wir uns noch einstellen müssen. Der grosse Philosoph Peter Sloterdijk (69) empfängt uns am Sonntagabend zum Interview in seiner Altstadtwohnung in Karlsruhe (D). Die Wände voller Bücher, die Stimmung aufgeräumt, die Formulierung seiner Sätze wie immer pointiert: Kaum jemand bringt derart prägnant auf den Punkt, was derzeit in der Welt passiert.“ Von Christian Dorer

Schicksalfragen: Ein Roman vom Denken – I Karlsruher Gespräch

Ulrich Raulff im Dialog mit Peter Sloterdijk I  Karlsruher Gespräch Raulff: Herr Sloterdijk, vor einiger Zeit las ich in der FAZ einen Bericht von Ihrem Podiumsgespräch mit Heiner Geißler, das Sie aus Anlaß seines 80. Geburtstags Anfang März 2010 in Berlin geführt haben. Demnach brachten Sie den Begriff „Schicksal“ zweimal in Spiel – das ließ mich aufhorchen. Zum einen sollen Sie gesagt haben, das Luhmannsche Konzept von der „Ausdifferenzierung“ der Subsysteme sei der kühlste aller möglichen Hinweise auf die Macht des Schicksals: Komplexe soziale Systeme folgten der unausweichlichen Gesetzmäßigkeit selbstbezüglichen Funktionierens. Zum anderen führten Sie das Argument ins Feld, das Engagement des Westens in Afghanistan liefere den Beweis dafür, dass auch die moderne Welt dem Tragischen nicht entgeht. In diesem Kontext fiel ebenfalls das Wort Schicksal. Was ist damit gesagt? Inwiefern reden Sie von etwas anderem als von militärischem Versagen oder von einem Mangel an politischer Strategie? Sloterdijk: Afghanistan diente in meinem Argument als aktuelles Exempel für die Gesamtheit der Situationen, in denen Menschen, was immer sie tun, zum Fehlermachen verurteilt sind. Auch den Modernen …